Ernst-Horn-Strasse

1. Preis Realisierungswettbewerb

Energetische Modernisierung und Aufstockung eines Mehrfamilienhauses

ERNST-HORN-STRASSE 4-6  /  NIELAND 2-8

 

Die Bestandssituation

 

Das Bestandsgebäude aus dem Jahre 1976 befindet sich innerhalb eines Quartiers von Wohngebäuden (Quartier Linse)  im Stadtteil Stellingen zwischen der Fernbahn und den S-Bahngleisen an der Station Langenfelde. Am Nieland 2-8 schließt das bestehende Mehrfamilienhaus direkt an den zweigeschossigen Gewerbe- und Freizeitkomplex an. In Verlängerung des Städtebaus befindet sich der aufsteigende 18-geschossige, neu sanierte `Gold glänzende Leuchtturm` der durch seine Präsenz  deutlich aus dem gesamten Ensemble heraussticht. In südlicher Aussichtung zeigt sich das  13-geschossige markante Hochhaus als städtebaulicher Einzelgänger.

Parallel zu den S-Bahn Gleisen am Nieland 2-8 erhöht sich das Bestandsgebäude von fünf auf sieben Geschosse und verringert sich am Ernst-Horn-Weg 4-6 um drei Geschossen.  Mit seiner vorgehängten Fassade aus Waschbeton sowie den prägnanten Eingängen präsentiert sich das Mehrfamilienhaus im Quartier „dunkel und kalt“.  Auf der nördlichen Seite befinden sich sechs Hauseingänge sowie die Einfahrt zur zweigeschossigen Tiefagarage.

Die Nordfassade, als typische Lochfassade im Stil der 70-iger Jahre,  wirkt sehr monoton. Dagegen bietet die zum Innenhof ausgerichtete Südfassade großzügige Fensterbänder und Loggien sowie vereinzelnd Balkonansätze.

Das Gebäude bindet sich deutlich in den sozialen Außenraum um den Marktplatz Linse ein. Es umfasst Grünflächen, Spielplätze und Aufenthaltsorte im Außenraum. Die Freiflächen des Quartiers sind belebt und werden von den vor Ort lebenden Menschen häufig und gerne genutzt. Somit tragen sie viel zur sozialen Qualität des Quartiers bei und werten es zusätzlich auf.

Das bestehende  Mehrfamilienhaus  stellt das  letzte zu sanierende Gebäude rund um den Marktplatz Linse dar und steht momentan durch seine dunkle und kalte Erscheinung in starkem Kontrast zu den bereits sanierten, umliegenden Gebäuden.  Somit ist es schlüssig, dass das Gebäude in ein harmonisches Gesamtbild miteingebunden werden muss.

 

Das Entwurfskonzept

 

Aus der Bestandssituation heraus entwickelt sich die Entwurfsidee für die Aufwertung des Bestandsgebäudes. Das dunkle und düstere Erscheinungsbild soll durch eine energetische Fassadenmodernisierung mit Teilaufstockungen in eine zeitgemäße und unprätentiöse Architektur überführt werden. Durch die ruhige, sich zurücknehmende Formensprache wird die Homogenität innerhalb des Gesamt-Quartiers wieder hergestellt.

Dies setzt eine Klarheit der Gebäudeform voraus. Derzeit ist die Bestandssituation des Daches diffus. Eine Vervollständigung der Dachlandschaft durch 1 bis 2 geschossige Aufstockungen sorgt für ein harmonisches Gesamtbild.

Um dem Anspruch, Hauseingang als Visitenkarte des Gebäudes, gerecht zu werden, erhalten diese großzügige Vordächer und Hauseingangstüren. Der Übergangsbereich zu den Außenanlagen wird neu geordnet.

Durch die Teilaufstockungen werden zusätzliche Wohnflächen geschaffen. Insgesamt 8 Wohneinheiten zwischen ca. 64 m² und 196 m² stehen dem Vermieter zusätzlich zur Verfügung. Es entstehen teilweise Wohnflächen über zwei Ebenen (Maisonetten), sowie große, lichtdurchflutete Loftwohnungen. Durch den Zugewinn von Wohnraum, verbunden mit einer qualitativen und anspruchsvollen Grundrissgestaltung, soll eine soziale Durchmischung innerhalb des Wohngebäudes / Quartiers erfolgen.  

 

Die Fassade

 

Als neues Fassadenmaterial für das Bestandsgebäude wird ein heller, weißer Stein mit hell-grauen Fugen gewählt. Dieser wird als Dünnformat-Klinkerriemchen auf einem Wärmedämmverbundsystem auf die Bestandsfassade aufgebracht (siehe Muster). Eine leichte Differenzierung und Akzentuierung findet durch hochkant-gestellte Riemchen in den Fensterbrüstungen der Treppenhäusern statt. Dieses Thema findet sich auf der Südseite an den bestehenden Loggien und abgesetzten Balkonen wieder.

Im Zusammenspiel mit dem markanten Nachbarn - dem `Goldenen Leuchtturm´ - ist für den oberen Gebäudeteil eine ein- bis zweigeschossige hinterlüftete Metall-Vorhangfassade vorgesehen. Durch den Materialwechsel wird die bis zu 7-geschossige Fassade gegliedert und die Ergänzung des Bestands (Aufstockung) visualisiert. 

Die Metallfassade in einer Kupfer-Bronze Optik harmonisiert mit dem hellen, darunter liegenden Stein. Die Ausgewogenheit des Farbspieles Kupfer-Bronze zwischen Patina, Oxid und Classic (siehe Muster) wird über einen Fassaden-Verlegeplan sichergestellt. Die Fassade soll durch unterschiedlich hohe horizontale Streifen in unregelmäßigen Längen ausgebildet werden. Sie wird über Agraffen unsichtbar befestigt. Durch die leichte Abhebung der Metallfassade entsteht eine dezente Schattenfuge.

Die Sockelzone des Erdgeschosses erhält einen dunkleren Stein (siehe Muster).

Sämtliche sechs Hauseingänge werden neu gestaltet. Im Erscheinungsbild verschmelzen diese mit der neugestalteten Fassade. Von jeder Seite soll der Eingang deutlich erkennbar sein. Durch eine attraktive Gestaltung mittels Beleuchtungselementen wird der Eingangs-Bereich aufgehellt.

Im Zuge der Modernisierung der Fassade wird das Dach erneuert und energetisch ertüchtigt. Angedacht  ist die Ausbildung als Gründach.

 

Der energetische Standard

 

Um den Standard eines KfW Effizienzhaus 70 und die Förderfähigkeit im Programm Mod A Stufe I oder II der IFB Hamburg zu erreichen, sind die im Folgenden genannten Maßnahmen erforderlich. Dabei orientieren wir uns an den technischen Richtlinien bzw. Mindestanforderungen aus den aktuellen Förderrichtlinien. Das Konzept der Gebäudehülle für die Modernisierung und Aufstockung umfasst entsprechend den Einzelanforderungen:

- Zusätzliche Kellerdecken- und Innenwanddämmung U≤0,25 W/m²K

- Zusätzliche Außenwanddämmung z.B. WDVS mit Klinkerriemchen U≤0,20 W/m²K

- Neue Fenster

- Neue Außenwand

- Neues Dach

Die Energieversorgung erfolgt über Fernwärme der Fa. Vattenfall, sowohl für die Heizung als auch die neue, zentrale Warmwasserversorgung. Für ein Lüftungskonzept gibt es zum einen den Ansatz, die bestehende Schwerkraftlüftung hybrid zu ergänzen, oder ggf. eine Ventilator gestützte, zentrale und feuchtegesteuerte Abluftanlage zu errichten, um die Förderstufe 2 der IFB zu erreichen.